Unschuld

Beim Geschmack von Zahnpasta denkt sie an Unschuld. Bei der Musik von Debussy an einen Film, den sie in ihrer Teenie-Zeit mit ihrer besten Freundin im Kino gesehen hat. Sie denkt an das klebrige Popcorn und die eisige Cola, an die weichen Sessel in der letzten Reihe des Filmsaals. An das Parfum, das Lena damals trug.
Wenn sie sich die Haare kämmt, denkt sie an Astrid Lindgren-Bücher, weil die Mütter darin ihre blonden Töchter immer „Rauschgoldengel“ nannten. Sie erinnert sich daran, wie sehr sie sich schon damals wünschte, dass ihre Mutter das auch nur ein einziges Mal täte. Denn schöne Haare hatte sie schließlich. Wenigstens das.
Beim Gefühl des Nachthemdstoffs auf ihrer Haut denkt sie an an Unschuld. An Winternächte, die sie eingekuschelt und tief schlafend in ihrem Kinderbett zubrachte, dem heulenden Wind draußen lauschend.
Beim ERklingen der hellen Terz der Türklingel denkt sie an den Tag, an dem sie ihr Klavier geschenkt bekam. Ein Tag voller Glück und Aufregung und Musik. Heute ist ihr Klavier so verstimmt, dass sie kein Glück mehr fühlt beim Spielen.
Beim Geschmack von Tränen, die ihre Wangen herunterlaufen und manchmal auf ihren Lippen bleiben, denkt sie an Italien. Sie war so klein, die Welt stand ihr offen. Das wusste sie, als sie am Meer stand und den Wellen zuhörte. Als sie sich schließlich hineinwagte und spürte, dass das Wasser ihr Vertrauter werden konnte.
Bei der lauten Musik des Jahrmarkts denkt sie an einen Sommer vor vielen Jahren. Eine alte Mühle, Rosenranken, ein See, Sternschnuppen und geschmolzene Noisette-Schokolade. Eine für sie an einem Stand geschossene Plastikblume, die ihr damals mehr bedeutete, als jeder Edelstein.
Beim Geruch frischer Laken und dem Gefühl weicher Creme auf ihrer Haut denkt sie an Unschuld. An sich und ihre kleine Schwester, wie sie damals nach dem stundenlangen Baden, das voller Abenteuergeschichten und Zauber war, ins Bett gebracht wurden. Mit keiner Sorge als der, ob man die Geschichte auch bald beim nächsten BAden weitererzählen könne.
Sie denkt viel in dieser Nacht, während die Welt in tiefem Schweigen liegt. Sie schweigt ebenfalls, weil ihre Gedanken sie gefangen halten. Manchmal würde sie gern alles vergessen und neu anfangen. Neue Erinnerungen schaffen, an die sie dann nachts denken kann. Doch sie weiß, dass das nicht geht. Und so denkt sie, während die Sonne aufgeht und sie noch immer nicht geschlafen hat, wieder an Unschuld.

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And everything, everything’s magic

Mach die Augen auf, das Glück sthet direkt vor dir. Halt den Kopf oben, die Welt soll dein wunderschönes Lächeln sehen. Wenn du weinst, dann richtig; bis es keine Tränen mehr für dich gibt. Übertreib die Hoffnungslosigkeit so lange, bis nur noch Hoffnung da ist. Bleib wach und genieße jede einzelne Sekunde, bis du nicht mehr kannst und in einen traumlosen Schlaf fällst, der dich wieder hochleistungsfähig werden lässt. Lass es zu, so verzweifelt zu sein, dass du glaubst, ertrinken zu müssen. Lass es darauf ankommen, ob jemand nach deiner Hand greift, wenn sie das Einzige ist, was noch aus der Gischt der über dir zusammen schlagenden Fluten herausragt. Lauf danach durch die Straßen deiner Stadt und liebe den Anblick, der sich dir bietet, egal, wie schäbig du ihn vorher fandest.

Jedes deiner Gefühle zeigt dir, dass du am Leben bist.

Die Möwen schreien es Nacht für Nacht vom Meer zu dir herüber: du wirst geliebt.

 

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Darkness creates thoughts

Kann eine Liebe stark genug sein, um all die Schatten der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft zu besiegen?

 

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There’s something in the water

„I know distance doesn’t matter, but you feel so far away…“

Wo soll man denn hin mit den ganzen Gefühlen? (Ich hab n Freund jetzt. Ich hab n Freund jetzt.)

Alles ist so durcheinander. Furchtbar glückliche Tage reihen sich aneinander, dann plötzlich alles weg, alles dunkel, nur noch bodenlose Tiefe und so viel Angst, dass alles bald vorbei ist. Träume, Pläne, Wörter, Tränen. Nichts ist greifbar genug, um es aufzuschreiben. Alles neu, alles anders. But still a bit of 17 and invincible.

 

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Fensterplatz mit Blick aufs Leben

Der Bremer Hauptbahnhof abends um halb zehn. Es ist noch endlos viel Zeit,
bis mein Anschlusszug eintreffen wird. Völlig übermüdet und ausgesprochen
fertig aussehend bahne ich mir meinen Weg durch die wie immer übervölkerte
Bahnhofshalle zu einem Coffeeshop. Meine Laune ist nicht die beste, ich hab
keine Lust auf zu Hause, die Zugfahrt, die hinter mir liegt, ist schon viel
zu lang und wird gleich ja auch noch weitergehen, ich bin alleine.
Und dann sitze ich in der Bäckerei, deren Atmosphäre so überhaupt nicht die
des Bahnhofs wiederspiegelt. Man hört, wie Leute sich leise unterhalten und
das helle Klirren, wenn sie ihre Getränke umrühren.
Draußen vorm Fenster hetzen die Leute vorbei und ziehen ihre Koffer hinter
sich her. Ich trinke den besten Latte Macchiato der Welt und beginne
langsam, wieder zu denken. Es ist, als würde ich gerade auftauchen und zum ersten Mal
mein Leben wieder vor Augen haben. Während der Kaffee mir die Zunge verbrüht
und von draußen gedämpft die Bahnhofsdurchsagen hereindringen, wird mir
klar, wie anders plötzlich alles ist. Wie viel schöner. Gedankenverloren rühre ich nun ebenfalls meinen Kaffee um und höre das Geräusch des Löffels, der gegen die Tassenwände klirrt, gar nicht richtig. Mir fällt der Moment in der letzten Nacht ein, als wir draußen standen… Alles still, nur von fern dasSchreien der Möwen. Und diese Luft. Und überall du. Die Welt war so heile. Und das ist sie doch eigentlich immer noch, oder? Jetzt gerade fühlt es sich so an, als wäre sie nie besser gewesen. Ich bin im Jetzt. Und ich liebe es, denn es ist das schönste Jetzt, das ich je erlebt habe.
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Sommergewitter – zünd all deine Leuchtfeuer

Erwartungsvolle Stille. Spannung liegt in der Luft, bis diese schließlich regelrecht zu knistern scheint. Du hältst den Atem an.

Und dann ist da plötzlich der Moment, in dem du von deinem Fenster aus das Sommergewitter beobachtest und merkst, dass du dich nicht mehr nach irgendetwas da draußen sehnst. Du stehst nur da, hörst den Regen auf die Steinplatten prasseln, siehst die Blitze, die immer wieder für Sekunden den Himmel erhellen und merkst, dass alles so anders ist. Wie oft hast du genauso hier gestanden und genau so ein Gewitter beobachtet? Nur hast du dich dabei nie ganz gefühlt, nie vollkommen. Immer hast du unbewusst in dem sekundenlangen Leuchtfeuer am Himmel nach etwas gesucht, das dich fesselt, dich mit sich nimmt, dich endlich einmal berührt. Du hast dir so sehr gewünscht, dass nach dem Gewitter nicht nur die Luft ganz anders sein würde, sondern auch dein Leben.

Und jetzt stehst du hier und dir wird klar: als du überhaupt nicht damit gerechnet hast, ist genau das passiert. Du liebst alles, was du siehst, genauso wie vorher, aber du suchst nicht mehr. Denn du hast längst etwas gefunden,

jemanden. Nicht in den Leuchtfeuern am Himmel, nicht in den Regentropfen auf deinem Gesicht und nicht im Sonnenaufgang und der klaren Morgenluft nach der Gewitternacht. Du hast ihn da gefunden, wo du nie gesucht hast. Und doch ist er gleichzeitig auch in all den Dingen, die sich gerade vor deinem Fenster abspielen, denn für dich ist er im Moment überall.

Als du einige Stunden später zitternd draußen stehst, zusiehst, wie die Sonne langsam aufgeht und spürst, wie der Tag wach wird, bestätigt sich die leise Ahnung, die letzte Nacht so unerwartet mit dem Gewitter kam und wird zur Gewissheit: du bist glücklich.

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19 May, 2011 19:29

Wer mir vorliest, noch dazu morgens um halb fünf, dem gehört mein Herz. 🙂

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